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Impfung: Ja oder Nein?

Pflicht-Impfung für alle oder individuelle Impfentscheidung?

[Dr. Karsten Karad, 30.05.2021, akt. 04.09.2021]

Wird es eine Impfpflicht (direkt oder indirekt) geben? Werde ich mich impfen lassen müssen?

Für mich ist es erschreck­end, wie sehr die Poli­tik bei dieser Pan­demie in medi­zinis­che Fra­gen einge­grif­f­en hat und bis heute Frei­heit­srechte ein­schränkt. Ich ver­traue aber weit­er­hin auf unsere Ver­fas­sung und wun­dere mich zunehmend, dass das Ver­fas­sungs­gericht nicht schon längst tätig gewor­den ist.

Staat­srechtler Prof. Volk­er Boehme-Neßler erläutert die Recht­slage aus sein­er Sicht:

Die am häufigsten gestellte Frage ist zur Zeit:
„Wie bekomme ich möglichst schnell meine Corona-Impfung?“

Als Arzt stelle ich aber die Frage aus medi­zinis­ch­er Sicht: Wie notwendig und sin­nvoll ist die Imp­fung im Einzelfall?

Jede Imp­fung birgt auch gesund­heitliche Risiken. Je gefährlich­er eine Krankheit ist, um so sin­nvoller ist eine Imp­fung. Risiko und Nutzen ein­er Imp­fung gilt es daher abzuwägen.

Fragen Sie sich also lieber:
„Wie gefährlich ist Covid-19 für mich?“

Gefährlichkeit von Covid 19:

Ja, Covid 19 ist gefährlich­er als eine Influen­za-Epi­demie: Es gibt mehr inten­sivpflichtige Patien­ten, es gibt mehr Todes­fälle, und es sind oft mehrere Organ­sys­teme – nicht nur die Lunge – beteiligt.

Übersterblichkeit

Schauen wir auf die Übersterblichkeit:

Ja, es gibt eine Über­sterblichkeit. Für 2020 liegt diese in Deutsch­land bei ca. 5 %, was nun nicht ger­ade erschreck­end hoch ist.

Übri­gens: In 2021 ist die Über­sterblichkeit sog­ar unterdurchschnittlich:

Nun zur Frage: Wer stirbt an Corona/Covid 19?
Wie ist die Altersverteilung?

Fast 90% der mit oder an Coro­n­a/­Covid-19 Ver­stor­be­nen sind über 70 Jahre alt. Unter 60 Jahre sind ger­ade mal ca. 3,5 % der Todes­fälle zu verze­ich­nen. Bei unter 30Jährigen liegt das Risiko bei ca. 0,1 %.

Damit hier kein falsch­er Ein­druck entste­ht: Meine Mut­ter ist 88 Jahre alt, und ich möchte sie gerne noch ein paar Jahre behal­ten, so Gott will. Es ist mir keineswegs gle­ichgültig, wenn alte Men­schen ster­ben. Es geht mir hier um die Frage: Für wen ist die Imp­fung medi­zinisch sin­nvoll und für wen nicht?

Junge Men­schen erleben eine Covid-19-Infek­tion meist wie einen grip­palen Infekt. Auch hier kann es natür­lich Lun­genentzün­dun­gen geben und auch Post-Covid-Ver­läufe. Aber das Risiko für schwere Ver­läufe ist gering.

Die Mär von den jungen Menschen, die jetzt auf den Intensivstationen sterben:

Inten­sivs­ta­tion und Coro­n­afälle (Quelle: Welt am Son­ntag: „Die Katas­tro­phe, die keine wurde“ vom 16.05.21)

Kurz vor dem Ende des ZDF-Talks „Maybrit Ill­ner“ am 15. April meldete sich noch ein­mal Karl Lauter­bach zu Wort: Der Alters­durch­schnitt der Coro­na- Inten­siv­pa­tien­ten liege mit­tler­weile bei nur noch 47, 48 Jahren, erk­lärte er: „Das sind Men­schen, die mit­ten im Leben ste­hen. Das ist eine Tragödie. Da ver­lieren viele Kinder derzeit ihre Eltern.“ Angesichts dessen könne er nicht ver­ste­hen, dass immer noch debat­tiert und nicht endlich gehan­delt werde; Das ver­ste­he „auch kein Medi­zin­er, Inten­sivmedi­zin­er oder Epidemiologe“.

Lauter­bachs Aus­sagen erre­icht­en an jen­em Abend ein Mil­lio­nen­pub­likum. Waren es bis zum Start der Impfkam­pagne und dem Auftreten der Virus­mu­tan­ten ganz offen­sichtlich vor allem alte Men­schen, die Coro­na zum Opfer fie­len, kämpften dem­nach nun die Jun­gen auf den Inten­sivs­ta­tio­nen um ihr Leben. „Uns läuft die Zeit davon“, sagte Lauter­bach, ein Ver­fechter von repres­siv­en Maß­nah­men zur Eindäm­mung von Infek­tio­nen, noch.

Karl Lauterbach und der Umgang mit der Wahrheit

Nur: Nach ein­er Recherche der WELT AM SONNTAG (Artikel vom 16.05.2021) hat Karl Lauter­bach gel­o­gen:

Fakt ist: Anders als Lauter­bach behauptete, waren Anfang Mai nur zwölf Prozent der Inten­siv­pa­tien­ten unter 50. Die größte Alters­gruppe stell­ten mit 31,4 Prozent die 60- bis 69-Jähri­gen dar, die zweit­größte die 70- bis 79-Jähri­gen mit 27,2 Prozent. Das zeigte eine erst­ma­lige Veröf­fentlichung der RKI-Zahlen Anfang Mai.

Impfungen für Kinder und Jugendliche?

Hierzu ein aktueller Fach­beitrag im „Lancet“ (Lancet-Artikel vom 19. April 2021), Auszug übersetzt:

[Quellen sind unten angeführt]

    „Die rel­a­tiv geringe Inzi­denz von COVID-19 in der all­ge­meinen Kinder­pop­u­la­tion, die ungewöhn­liche Man­i­fes­ta­tion mit mul­ti­sys­temis­chem Entzün­dungssyn­drom bei älteren Kindern und Jugendlichen und das Fehlen epi­demi­ol­o­gis­ch­er Dat­en, die auf Kinder bei der Über­tra­gung von SARS-CoV­‑2 hin­deuten, stellen wichtige immu­nol­o­gis­che, ethis­che und wirtschaftliche Prob­leme dar, die vor dem Ein­satz eines COVID-19-Impf­stoffs bei Kindern sorgfältig geprüft wer­den müssen. (…)

    Die derzeit für den Not­fall­ein­satz zuge­lasse­nen, genehmigten oder in der Entwick­lung befind­lichen Impf­stoffe weisen kein Sicher­heits- oder Immuno­gen­ität­spro­fil bei Kindern auf. In Erman­gelung eines besseren Ver­ständ­niss­es der Entwick­lung dieser Erkrankung kön­nte die Ver­wen­dung des gle­ichen Ansatzes zur Verabre­ichung von Impf­stof­fen wie bei Erwach­se­nen die Häu­figkeit dieser hyper­in­flam­ma­torischen Erkrankung verschlimmern. (…)

    Aus ethis­ch­er Sicht beste­ht eine Abwä­gung zwis­chen Risiko und Nutzen, wenn Kindern ein COVID-19-Impf­stoff ange­boten wird, der nur einen min­i­malen oder gar keinen direk­ten Nutzen für den Empfänger, keinen Nutzen für die Öffentlichkeit und noch unbekan­nte mit­tel- und langfristige Risiken für den Empfänger bietet.“

Mit anderen Worten: Die Imp­fung kön­nte auch großen Schaden bei Kindern anrichten.

Fazit für die Impfentscheidung

Ja, Coro­n­a/­Covid-19 kann zu gefährlichen Krankheitsver­läufen führen. Betrof­fen sind aber in den aller­meis­ten Fällen Men­schen über 60 bzw. eher 70 Jahren.

Meine Empfehlung daher: Für Men­schen über 60 Jahre ist es sin­nvoll, sich impfen zu lassen. Für jün­gere Men­schen beste­ht m. E. keine medi­zinis­che Notwendigkeit zur Imp­fung, für Kinder und Jugendliche schon mal gar nicht.

[Aus­nahme: Patien­ten mit speziellen Risiko­pro­fil: Dia­betes + Adi­posi­tas, COPD, Immunsupressiva-Therapie]

Inter­es­sant fand ich hierzu einen Hörerbeitrag vor eini­gen Wochen im WDR-2-Radio: Es meldete sich ein Jurist (den Namen habe ich mir lei­der nicht gemerkt) und machte eine inter­es­sante Aussage:

„Der Staat hat nicht die Auf­gabe, den Einzel­nen vor Krankheit­en zu schützen (Anmerkung mein­er­seits: dann müsste er auch Rauchen und Alko­hol streng­stens ver­bi­eten), hier ist jed­er für sich sel­ber ver­ant­wortlich. Der Staat hat lediglich die Auf­gabe, das Gesund­heitswe­sen vor dem Zusam­men­bruch zu schützen!“

Der let­zt­ge­nan­nte Fall war übri­gens zu keinem Zeit­punkt in Sicht: Es bestand immer eine Reserve von ca. 30% Inten­siv­bet­ten, und wenn wirk­lich mal eine gefährliche Pan­demie käme, dann gibt es eine Not­fall­re­serve, bei der inner­halb ein­er Woche 10.000 Inten­siv­bet­ten zusät­zlich mobil­isiert wer­den könnten.

An der DIVI-Sta­tis­tik ist bemerkenswert, dass die Tren­dumkehr bere­its bei den Inten­sivfällen bere­its Ende März ein­set­zte, also bevor (!) die große Impfkam­pagne in den Hausarzt­prax­en begann.

Jede Welle — sprich Epi­demie — endet halt irgend­wann, und zwar unab­hängig von Imp­fung, Maske und AHA-Regeln.

Aude sapere! (Sinngemäß: „Bilde dir selber ein Urteil!“)

Sich sel­ber auf die Suche zur Wahrheit zu begeben, das ist heutzu­tage ver­loren gegan­gen. Social-Media-News: Ob es Fake-News sind? Das ist nicht wichtig. Nicht mehr die Wahrheit, son­dern was meine Face­book-Gruppe meint, die Mehrheitsmei­n­ung eben, die ist wichtig. Und alles höch­stens in zwei Sätzen zusam­menge­fast auf Twit­ter oder auf What­sApp. Man denkt nicht mehr sel­ber, son­dern man lässt denken! Denn dafür haben wir ja schließlich unsere „Influ­encer“. Wie recht er doch hat­te, der Dichter Chris­t­ian Mor­gen­stern: Die zur Wahrheit wan­dern, wan­dern allein,….

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