Ein Leserbrief mit ungeahnten Reaktionen

Ein Leserbrief mit ungeahnten Reaktionen

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Mein Leser­brief, erschienen am Sam­stag 04.07.2020, The­ma „Gegen die Coro­na- Angst“

 
 

Wir brauchen keine neue Nor­mal­ität

 
 
 

Vielle­icht ist ja auch mal ein Bericht aus der unmit­tel­baren „Coro­na-Front“ in der Haus-arzt-Prax­is inter­es­sant. Coro­na-Epi­demie in Chi­na. Die Nachricht­en über­schlu­gen sich. Auch in Lünen bere­it­ete man sich auf das Schlimm­ste vor. Che­farzt Dr. Lenfers und seine Kranken­haus-Crew bewältigten ihre Auf­gabe sehr pro­fes­sionell. Eine Beat­mungssta­tion wurde aufge­baut.

Und dann kam das große Warten auf „die Welle“. Ab Ende März — da war das Virus bere­its drei Monate hier in Deutsch­land, in fast jedem Ort — entschlossen wir uns, in der Prax­is Atem­schutz­masken zu tra­gen und die Hygien­e­maß­nah­men noch weit­er zu erhöhen. Alle leben in Angst und Schreck­en.

Und dann die Mel­dung: „Auch Lünen hat nun seinen ersten Coro­na-Toten!“ Aller-dings war dies jemand, der die Infek­tion bere­its über­standen hat­te und dann einige Wochen später an ein­er anderen Erkrankung ver­stor­ben ist. Das ist tragisch, gera-de, wenn es ein jün­ger­er Men­sch ist, aber ist hier Corona/Covid 19 die Ursache? Zurzeit haben wir etwa 200.000 pos­i­tiv getestete Per­so­n­en in Deutsch­land. Jed­er weiß, dass die Dunkelz­if­fer viel höher ist. Und ja, auch von diesen 200.000 Men­schen wird mal ein­er ster­ben, beson­ders von den über 90- Jähri­gen!

 
 
 
 

Sind das dann alles Coro­na- Tote?

Jet­zt zu unser­er rel­a­tiv großen Hausarzt-Prax­is: Seit Anfang des Jahres haben wir 68 Coro­na-Tests durchge­führt. Davon waren drei pos­i­tiv. Kein­er der drei Patien­ten war ern­sthaft erkrankt, allen­falls leichte Grippe-Symp­tome.

Seit Jan­u­ar hat­ten wir über-haupt nur einen Pneu­monie-Fall (= Lun­genentzün­dung), und der war bere­its im Jan­u­ar 2020, sich­er ohne Coro­na-Be-zug.

Diese Virus-Sai­son war über­haupt recht mild.

Ja, aber es kommt ja wohl noch die „Zweite Welle“! Merk­würdig, die zweite Welle hat es nir­gend­wo auf der Welt gegeben, auch nicht nach den Lockerungs­maß­nah­men in Öster­re­ich, Ital­ien oder Spanien. Ver­bran­ntes Land bren­nt eben nur ein­mal.

Und hier bei uns? Mit den Hotspots wer­den wir leben müssen, aber wir kön­nen es auch! Güter­sloh? Ja, einige pos­i­tiv Getestete gibt es, aber behand­lungs­bedürftig ist da-von so gut wie kein­er, außer vielle­icht wegen Depres­sion, weil er nicht in Urlaub fahren darf.

Noch mehr Tests machen? Je-der einzelne Test kostet die Krankenkasse 59 Euro! Das entspricht unge­fähr dem Arzneimit­tel­bud­get für drei Monate eines 50-Jähri­gen. Und das wer­den wir alle über die Krankenkassen­beiträge bezahlen müssen.

Mein Plä­doy­er: Wir brauchen keine „neue Nor­mal­ität“ mit Abstand­sregelun­gen (die so-wieso nicht einge­hal­ten wer-den), Masken und Eiss­chleck­verord­nung. Wir soll­ten ein­fach wieder zur guten alten Nor­mal­ität zurück­kehren.

 
 
 
 
 

Dieser Artikel von Marc Fröh­ling erschien am Don­ner­stag, 9. Juli 2020

 
 
 
 

Umstrittene Aussagen zu Corona-Gefahr: Arzt erntet Widerspruch

LÜNEN. Ein Leser­brief sorgt für Unruhe in der Coro­na-Krise in Lünen. Der Arzt Dr. Karsten Karad fordert darin eine Rück­kehr zur Nor­mal­ität. Manche sein­er Behaup­tun­gen sind schlicht falsch.

Von Marc Fröh­ling

Gegen die Coro­na- Angst!“, so hat­te Dr. Karsten Karad seinen Leser­brief über-schrieben, der am 4. Juli in der gedruck­ten Aus­gabe der Ruhr Nachricht­en erschienen war. Dafür gibt es viel Wider- aber auch Zus­pruch, unter anderem bei Face­book, wo in weit über 100 Kom­mentaren disku­tiert wird.

Karad ist All­ge­mein­medi­zin­er und prak­tiziert im Stadtzen­trum. Als Zusatzbeze­ich­nun­gen gibt er im Lebenslauf „Homöopathie, Chi­rother­a­pie, Naturheil­ver­fahren, Akupunk­tur und Sportmedi­zin” an.

 
 
 
 

Der erste an Coro­na Gestor­bene

Beim ersten Lün­er Patien­ten, der an Covid 19 gestor­ben ist, sagt Karad, han­dele es sich um einen Men­schen, der die Infek­tion schon über­standen hat­te, dann Wochen später an ein­er anderen Erkrankung gestor­ben sei. „Ist hier Coro­n­a/­Covid-19 die Ursache?“, fragt er. Eine Leserin wider­spricht Das erste Coro­na-Todes­opfer sei eine Frau gewe­sen, die zwar vor­erkrankt, aber an Coro­na gestor­ben sei. „Wäre der Lock­down einige Tage vorher gekom­men, wäre die Dame vielle­icht noch am Leben.“

Der erste an Coro­na Gestor­bene

Beim ersten Lün­er Patien­ten, der an Covid 19 gestor­ben ist, sagt Karad, han­dele es sich um einen Men­schen, der die Infek­tion schon über­standen hat­te, dann Wochen später an ein­er anderen Erkrankung gestor­ben sei. „Ist hier Coro­n­a/­Covid-19 die Ursache?“, fragt er. Eine Leserin wider­spricht Das erste Coro­na-Todes­opfer sei eine Frau gewe­sen, die zwar vor­erkrankt, aber an Coro­na gestor­ben sei. „Wäre der Lock­down einige Tage vorher gekom­men, wäre die Dame vielle­icht noch am Leben.“

Der erste an Coro­na Gestor­bene

Beim ersten Lün­er Patien­ten, der an Covid 19 gestor­ben ist, sagt Karad, han­dele es sich um einen Men­schen, der die Infek­tion schon über­standen hat­te, dann Wochen später an ein­er anderen Erkrankung gestor­ben sei. „Ist hier Coro­n­a/­Covid-19 die Ursache?“, fragt er. Eine Leserin wider­spricht Das erste Coro­na-Todes­opfer sei eine Frau gewe­sen, die zwar vor­erkrankt, aber an Coro­na gestor­ben sei. „Wäre der Lock­down einige Tage vorher gekom­men, wäre die Dame vielle­icht noch am Leben.“

 
 
 
 
 

Anmerkung: Meine Aus­sage bezog sich auf einen Artikel in den Ruhrnachricht­en, der einige Wochen zuvor erschienen ist.

 

 
 
 
 
 
 
 
 

Tat­säch­lich ist häu­fig nicht klar, ob die Men­schen mit oder an Coro­na ster­ben, sagt auch Volk­er Heiliger, Sprech­er der Ärztekam­mer West­falen-Lippe. Um das im Einzelfall genau zu sagen, müsste mehr obduziert wer­den. Aber: „Von Covid-19 geht eine große Gefahr aus, das darf nicht unter­schätzt wer­den.“
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Karad bezweifelt, dass es eine zweite Infek­tion­swelle geben wird: „Merk­würdig — die zweite Welle hat es nir­gend­wo auf der Welt gegeben, auch nicht nach den Lockerungs­maß­nah­men in Öster­re­ich, Ital­ien oder Spanien. Ver­bran­ntes Land bren­nt eben nur ein­mal.“

Heiliger von der Ärztekam­mer ver­weist da auf die aktuelle Lage beispiel­sweise in Israel. Dort hat­te man die Sit­u­a­tion beruhigt, die Pan­demie schien besiegt, es gab weniger als 30 Neuin­fek­tio­nen pro Tag im Mai. Seit Juni gehen die Zahlen wieder hoch, Jet­zt sind es an einem Tag über 1000. Mit­tler­welle ste­ht das Land kurz vor einem zweit­en Lock­down. Die Bild-Zeitung zitiert Pofes­sor Eli Wax­man, einen Berater der israelis­chen Regierung: „Wir haben die Kon­trolle über die Pan­demie ver­loren.“

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Anmerkung: Möglich, dass ich mich hier geir­rt habe, zumal diese Info ja ganz frisch war, als ich den Leser­brief geschrieben habe. Ander­er­seits ist die „zweite Welle“ aktuell schon wieder deut­lich rück­läu­fig. Das The­ma „Israel und zweite Welle“ ist aus den Medi­en weit­ge­hend ver­schwun­den. Die Kranken­häuser sind belastet, aber nicht über­lastet. Stand 27.07.: „Ins­ge­samt sind derzeit in Israel 35.076 Men­schen mit dem Coro­n­avirus infiziert. 473 Men­schen sind an oder mit dem Virus gestor­ben.“ (473 = 1,3 %, wohlbe­merkt nicht seit der „zweit­en Welle“, son­dern ins­ge­samt) Quelle:

 
 
 

Auch in Deutsch­land beste­he diese Gefahr, sagt Heiliger, spätestens im Herb­st — wenn die Vor­gaben der Coro­na- Schutzverord­nung nicht weit­er umge­set­zt wür­den.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Anmerkung: Dazu mehr in einem weit­eren Artikel

 
 
 
 
 
 
 
 

Die Sit­u­a­tion in Güter­sloh

Es gebe laut Karad nach dem Aus­bruch beim Schlachter Tön­nies zwar „einige pos­i­tiv Getestete“, aber behan­delt wer­den müsse „so gut wie kein­er, außer vielle­icht wegen Depres­sion, weil er nicht in Urlaub fahren darf. Tat­säch­lich wur­den weit über 1000 Men­schen pos­i­tiv getestet, schon kurz nach Bekan­ntwer­den des Aus­bruchs im Juni außer­dem fünf Tön­nies- Mitar­beit­er inten­sivmedi­zinisch behan­delt, sie mussten teil­weise auch beat­met wer­den. Wird ein Patient erst ein­mal beat­met, ist die Sit­u­a­tion so drama­tisch, dass die Über­leben­schan­cen drastisch sinken. Aktuell (7.7.) wer­den laut Kreis­be­hörde 22 Patien­ten im Kreis Güter­sloh „inten­sivpflegerisch ver­sorgt“, zwei müssen beat­met wer­den.

 

Anmerkung: Hier habe ich mich tat­säch­lich etwas missver­ständlich aus­ge­drückt: „einige pos­i­tiv Getestete“ bezog sich natür­lich auf die Bevölkerung in Güter­sloh, also außer­halb der Tön­nies Schlacht­be­triebes. / Der zweite Punkt, näm­lich die 22 Patien­ten im Kreis Güter­sloh, bezo­gen sich nicht auf die im Schlacht­be­trieb pos­i­tiv getesteten Arbeit­er, son­dern auf den gesamten (!) Kreis Güter­sloh. D.h. also auch Patien­ten, die bere­its vor dem Hotspot in den Kliniken waren.

Jed­er Test koste die Krankenkasse 59 Euro, schreibt Karad, das sei das Bud­get für Arzneimit­tel eines 50-Jähri­gen für drei Monate. „Das wer­den wir alle über die Krankenkassen­beiträge bezahlen müssen.“

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Dies habe ich in unserem Dort­munder Labor erfragt und lässt sich auch durch andere Quellen bele­gen. Die Testkosten sind übri­gens in der Zwis­chen­zeit etwas kostengün­stiger gewor­den.

 

Zu den genauen Zahlen kann und will Heiliger, der Sprech­er der Ärztekam­mer, nichts sagen. Aber: „Es ist klar, dass die Pan­demie das Gesund­heitssys­tem stark belastet.“ Gesund­heitsmin­is­ter Jens Spahn sagt zu der Prob­lematik: „Wenig zu testen ist teur­er, als viel zu testen.“ Nur durch möglichst viele Tests sei es möglich, das Virus im Keim zu erstick­en. „Am Geld soll das nicht scheit­ern.”

 
 
 
 
 
 
 
 

Die Rück­kehr zur Nor­mal­ität

Karad schließt den Leser­brief mit der Forderung, man müsse zur Nor­mal­ität zurück­kehren: „Wir brauchen keine neue Nor­mal­ität mit Abstand­sregelun­gen (die sowieso nicht einge­hal­ten wer­den), Masken und Eiss­chleck­verord­nung.“ Dazu sagt Heiliger „Es gibt die Vor­gaben, die sind berechtigt, wir sind da auf dem richti­gen Weg. Solange kann es keine Nor­mal­ität geben.“

Karad bekräftigte am Mittwoch (8.7.) seine Aus­sagen auf Anfrage noch ein­mal. Beispiel­sweise gebe es in Israel momen­tan keine zweite Welle, die erste sei nie vor­bei gewe­sen. Dass es In ganz Chi­na bish­er keine
zweite Welle gebe, sei der Beweis für seine Aus­sage. Wenn das Tra­gen von Schutz­masken so sehr helfe, wieso gebe es dann weit­er Hotspots wie Güter­sloh? Wieso gebe es in den Nieder­lan­den so viele Fälle, wo dort doch das
Hygien­e­m­an­age­ment in den Kliniken so gut sei? Es gehe ein­fach viele offene Fra­gen.

Karad ver­wies im Gespräch, auch auf ein Video, das er auf sein­er Home­page geteilt hat. Es han­delt sich um ein Video der schweiz­erischen „Expresszeitung“, in dem es um das Event 201 geht, bei dem im Okto­ber 2019 ein Coro­na- Pan­demie-Szenario schon ein­mal durchge­spielt wurde. Wenige Monate vor dem tat­säch­lichen Aus­bruch der Pan­demie.

Karad: „Guck­en, wo Bill Gates seine Fin­ger drin hat”

Organ­isiert wurde das Ganze von der Bill & Melin­da Gates-Foun­da­tion, der Johns Hop­kins Uni­ver­sität und dem Weltwirtschafts­fo­rum.
Man müsse über­haupt „guck­en, wo Bill Gates über­all seine Fin­ger drin hat”, sagt Karad im Bezug auf das Video. Es stellt ange­bliche Ver­strick­un­gen mehrerer Beteiligter dar und spricht auss­chließlich vom „ver­meintlichen
Coro­na-Aus­bruch“. Die „Expresszeitung“ wird im Online-Por­tal Wat­son schon 2017 als „Aluhut-Zeitung“ beze­ich­net: ein „Sam­mel­suri­um von Ver­schwörungs­the­o­rien aller Art”. Haup­tredak­teur ist laut Impres­sum Tilman Knech­tel, der unter anderem als Autor des Buchs „Die Roth­schilds: Eine Fam­i­lie beherrscht die Welt“ und Autor des recht­sex­tremen Mag­a­zins „Com­pact” in Erschei­n­ung getreten ist.

Dass ein solch­es Szenario wie beim Event 201 anhand eines Coro­n­avirus durchge­spielt wird, hat übri­gens wis­senschaftliche Gründe, sagte
der Jour­nal­ist Jür­gen Doschn­er im Deutsch­land­funk — eben weil es schon zwei Coro­na-Vari­anten über das Tier zum Men­schen geschafft hät­ten. Nur: Gefahr und Aus­maß des Virus sei in dem Plan­spiel noch unter­schätzt wor­den.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Anmerkung: Schade, dass sich Herr Fröh­ling das Video offen­bar gar nicht angeschaut hat und dazu mal einen Fak­tencheck durchge­führt hätte. Statt dessen ver­lässt er sich lieber auf Sekundärquellen wie die Anmerkun­gen des Jour­nal­is­ten Jür­gen Doschn­er, der sich das Video offen­bar auch nicht wirk­lich angeschaut hat. Daher werde ich in einem geson­derten Artikel noch etwas dazu sagen, weil die Fak­ten, die dort genan­nt wer­den, alles andere als „Ver­schwörungs­the­o­rien“ sind.